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Hintergrund der Ereigniskarte „Raupenpilz“ (Fortsetzung)

 

Begüterte Chinesen betrachten den Raupenpilz als Statussymbol und tragen mit seinem Konsum – in heißem Wasser aufgebrüht, in Suppen gekocht oder in Schnaps eingelegt – ihren Reichtum zur Schau. Sie waren Ende 2010 bereit, über 120.000 Yuan (ca. 13.000 Euro) für ein Pfund bester Qualität des begehrten Pilzes auszugeben! Zu Recht lautet somit ein weiterer Name für das Heilmittel „weiches Gold“. Von 1988 bis heute ist sein Preis um etwa 17.000 Prozent gestiegen – so dass er jetzt teurer ist als Gold. Ein bis zwei Monate lang stiehlt der Raupenpilz den Herdentieren daher die Schau. Vielen Drokpas, wie Nomaden im Hochland genannt werden, reichen Yaks und Schafe nur noch zur Deckung ihres Eigenbedarfs an Tierprodukten; für andere Bedürfnisse steht die Geldwirtschaft an zentraler Stelle.

Ärmeren Nomadenfamilien bietet der Raupenpilz die einzigartige Möglichkeit, Defizite der Viehwirtschaft aus­zugleichen. Für sie stellt das Sammeln dieser Ressource eine Überlebens­not­wendig­keit dar; für andere Haushalte ist es Grundlage ihres Wohlstands. Der größte Teil des Bargel­deinkommens nomadischer Familien stammt heutzutage aus dieser Quelle. Die Ein­nahmen sind mancherorts so hoch, dass ein veränderter Lebensstandard offen­sicht­lich wird: Neue Hausbauten, Autokauf und städtische Kleidung werden bei Hirten zur Mode.

 

(Text: Andreas Gruschke)